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Burstup

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16. 3. 2012 - 17:07

Gleichberechtigung für Tiere?

Der US-Philosoph Gary Steiner tritt für ein Ende des Anthropozentrismus ein.

In Europa soll es bald keine Langstrecken-Transporte von Tieren mehr geben. Nachdem mehr als eine Million Europäer die Initiative 8hours unterstützt hat, setzte sich auch das Europäische Parlament für eine Änderung der Tiertransport-Verordnung ein. Falls die Maßnahme auch von EU-Kommission und Ministerrat beschlossen wird, dürfen Tiere nicht mehr wie derzeit noch mehrere Tage lang in einem LKW stehen, sondern höchstens acht Stunden lang.

Für Gary Steiner, Uni-Professor und Autor zahlreicher Philosophie-Bücher zum Thema Tierrechte, ist eine Maßnahme wie "8hours" begrüßenswert, aber nur ein Zwischenschritt.

Welfarists und Abolitionists

Der vegane Philosoph schreibt in seinen Büchern über den moralischen Status des Tiers in der menschlichen Gesellschaft. Er sieht im Tierschutz derzeit eine Debatte zwischen jenen Menschen die er „Abolitionists“ nennt, und jenen die er „Welfarists“ nennt. Welfarists sind für Gary Steiner jene Menschen, die es für wichtig halten, Tiere gut zu behandeln, während sie gezüchtet werden, für Experimente benutzt werden oder zur Unterhaltung in Film, Sport oder Zirkus eingesetzt werden. Steiner: „Welfarists sagen: ‚Lasst uns den Tieren mehr Raum gebeb, ihnen besseres Futter geben und sicherstellen, dass sie gute medizinische Versorgung erhalten – bevor wir sie töten.‘“ Steiner glaubt, dass die meisten Menschen in Europa und den USA Welfarists sind.

„Abolitionists“ treten für ein Aufgeben des Status von Tieren als Eigentum ein. Für Abolitionists haben Tiere das Grundrecht, vom Menschen so unbeeinflusst wie möglich leben. Die Aussicht, ein Abolitionist zu werden, reiße uns aus unserer Komfortzone, sagt Steiner. „Wenn du Menschen sagst, dass es moralisch falsch ist, Tiere zu essen, werden sie sehr zornig. Wenn du sagst, sie sollen Fleisch kaufen, dass ‚menschlich‘ erzeugt wurde, dann sagen sie ‚ja okay, das kann ich machen‘. Denn es ist nicht sehr aufwändig, das zu tun. Aber ich denke, es löst auch nicht das Problem.“ Die Maßnahmen der Welfarists seien problematisch, weil sie uns ein besseres Gefühl dabei geben, Tiere auszubeuten, während wir immer noch eine Industrie unterstützen, deren einziger Zweck sei, Tiere zu töten um menschliches Verlangen zu stillen.

Anthropozentrismus

Jährlich werden über 50 Milliarden Tiere für den Verzehr getötet. Das führt Gary Steiner in seinen Philosophie-Büchern zurück auf den Anthropozentrismus, also die Idee, dass der Mensch im Mittelpunkt der Welt steht und ihm die Tiere untergeordnet sind. Sowohl die Philosophe des antiken Griechenland, als auch die judäisch-christlichen Traditionen vertreten ein anthropozentristisches Weltbild: Die Welt wäre für den Menschen erschaffen worden und existiere für sein Wohl. „In meiner Arbeit“, sagt Steiner, „analysiere ich die gesamte Geschichte der westlichen Philosophie – von Homer über Jacques Derrida zu Martin Heidegger. Ich versuche zu zeigen, wie die anthropozentristischen Vorurteile unser gesamtes Wertesystem bezüglich der Beziehung zwischen Mensch und Tier beeinflusst haben. Ein Wertesystem, in dem Menschen ganz oben sind, aber Tiere unten sind und deswegen Werkzeuge werden, Stoff, Material. Mittel, um unseren Zwecken zu dienen.“ Eines der wertvollsten und wichtigsten Dinge, die Menschen in moralischer Hinsicht heute tun können, ist für Steiner die Abkehr vom Anthropozentrismus.

Eine Kursänderung in der Philosophie also, hin zur Gleichberechtigung für Tiere - doch neben ihr muss auch eine praktische Schwierigkeit gelöst werden: „Wie kann man eine Veränderung in den Herzen der Menschen bewirken?“, fragt Gary Steiner. Denn es sei nicht nur die „pure Logik“, die Veränderungen bewirke, die postmoderne Perspektive sei gar nicht geeignet, die Unterdrückung von Tieren zu beenden. Strikte Prinzipien wie der vegane Imperativ, eine moralische Verpflichtung gegenüber Tieren oder Gerechtigkeit zwischen Mensch und Tier können für Steiner nicht auf postmodernem Denken beruhen. Es sei dafür zu widersprüchlich und rechtfertige je nach den Umständen alle Arten von Grausamkeiten gegenüber Tieren: "Wir brauchen ein neues Verständnis liberaler humanistischer Ideen." Ausführlich wird sich der Autor damit in seinem nächsten Buch befassen.

"Moral hat ihre Basis auch in den Gefühlen, die wir empfinden.“ Deshalb müsse bei den Menschen das Gefühl für die geteilte Verwandtschaft zwischen Menschen und Tieren erwachen. „Du kannst den Menschen alle Argumente und alle Logik der Welt präsentieren – es wir nichts verändern, bis du in ihnen das Gefühl erzeugst, das Kinder haben: ‚Ich bin wie dieses Tier, wir sind gleich‘“.

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Das komplette Interview mit Gary Steiner gibt es hier und als Download auch im Interview Podcast.

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  • diamondback | vor 1890 Tagen, 18 Stunden, 46 Minuten

    anthropozentrismus faengt doch schon mit der unterscheidung mensch und tier an.
    menschen sind tiere und die abtrennung oder gegebenenfalls hoeherstellung des menschen ist absurd. warum aber dann vom menschen mehr ruecksicht mit anderen tieren gefordert wird, ist mir aus logischer sicht unverstaendlich.

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    • softmachine | vor 1889 Tagen, 10 Stunden, 37 Minuten

      menschen sind menschen und tiere sind tiere.

  • mgl86 | vor 1891 Tagen, 8 Stunden, 2 Minuten

    Fressen und gefressen werden...

    Er hat schon recht, Menschsein ist mehr als nur das. Eben aber weil wir Menschen sind und eine Kultur entwickelt haben. Diese Entwicklung hat bei manchen auch zu einer Art Mitgefühl mit Tieren geführt. Deswegen wollen sie sie nicht töten um sie zu essen. Das gleiche kann ich aber auch auf Pflanzen anwenden. Pflanzen werden gezüchtet (Experimente mit Pflanzen!) und im Stadium der Reife getötet... Ich denke in Wirklichkeit fußt dieses Mitgefühl auf einem diffusen Schuldgefühl. Manche sorgen sich lieber um das Wohl eines Bio Schweins als um die Großmutter im Altersheim.

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  • maple4 | vor 1891 Tagen, 17 Stunden, 49 Minuten

    ich bezweifle, dass die meisten menschen in eu/usa `welfarists´ sind. vlt die meisten von jenen, die über ihren lebensmittelkonsum reflektieren. und das ist vermutlich die minderheit, sonst gäbs diese luxus-diskussion gar nicht: man würde 1-2x in der woche fleisch essen und diese moralische verknechtung könnte sich niemals derart überschlagen.

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  • kleinerrollhügel | vor 1892 Tagen, 2 Stunden, 32 Minuten

    wahnsinnig kompliziertes thema.
    erstens, ist das natürlich ein luxusdilemma ausschließlich reicher westlicher (menschlicher) gesellschaften. zweitens, glaube ich, werden wir uns vom tiere töten erst lösen können, wenn man muskelfleisch (ohne tier mit "seele") züchten kann, und das billiger ist als tierhaltung. vorher nicht.

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  • go1988 | vor 1892 Tagen, 4 Stunden, 5 Minuten

    Was mich am Menschen stört ist, dass er für die Natur keine Rolle spielt, nichts beitragen kann. Weder produzieren wir noch sind wir Nahrung für andere Tiere, wir greifen nicht regulativ als Aasfresser ein, wir produzieren weder Sauerstoff oder Minderalien.
    Wir verbrauchen nur. Wir können dem Planeten und den anderen Lebewesen nichts zurückgeben, wir sind kein Glied im Ökosystem, wir zerstören es bloß.

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    • biased | vor 1891 Tagen, 14 Stunden, 21 Minuten

      Das ist natürlich kompletter Unsinn

      Diese Pseudokritik ist und da würde ich was sonst nicht so oft tue dem Kollegen softmachine Recht geben, Ausdruck einer neoliberalen Ideologie.
      Vor welchem Effizienz und Nützlichkeitskriterium tragen wir als Menschen nichts bei?
      Die biologische Evolution ist kein Bilanzbuchhalter, der nach wirtschaftspolitischen Kriterien Haltungsnoten verleiht. Spezies, die nichts "beitragen" sterben in aller Regel aus, und von Aussterben kann beim Menschen wohl keine Rede sein.

      Ich will dir nichts unterstellen, aber wenn du genauer darüber nachdenkst wird dir auffallen, dass der Vorwurf unproduktiv zu sein, nur zu verbrauchen, sehr nahe an bestimmten rechtsextremen Theorien ist, die über Nützlichkeit und Wert von Leben reden, bzw. der Bestimmung von unnützem und "unwertem" Leben.

      Es geht nicht darum, dir das zu unterstellen, aber dass sich solche Argumentationen in dein Statement hinein interpretieren lassen, musst du dir schon gefallen lassen.

    • softmachine | vor 1891 Tagen, 9 Stunden, 18 Minuten

      schlimm. wir sind doch tatsächlich nicht einfach tote materie wie die restlichen 99, 999999 prozent des universums. wir blöden menschen, mit unsereren gefühlen, unserem geist, unserer kultur, unserer musik, unserem witz, unserer phantasie. das kann die bio-nihilisten des naturgesetzes schon stören. warum können wir nicht alle einfach blindschleichen oder amöben sein ? ach diese menschliche eigenverantwortung ist schon ein hund...

  • biased | vor 1892 Tagen, 12 Stunden,

    Etwas was mir auch noch einfällt

    Würde man zumindest philosophisch versuchen den "Anthropozentrismus" zu überwinden, was wären eigentlich die alternativen Frameworks für eine begriffliche Kategorisierung des Lebens?

    Von einem evolutionsbiologischem Standpunkt aus würden sich Gattungs und Verwandschaftsbeziehungen aus der Deckungsgleichheit des genetischen Codes ergeben. Es gibt Bakterien unr Würmer, mit denen wir mehr als 50% des genetischen Bauplans teilen. Ein Universalismus dieses Typs würde prinzipiell nicht davor halt machen, eine Gleichheit aller organischen Kohlenstoffverbindungen zu propagieren und läge abstrakt betrachtet nicht falsch damit.

    Mich würde interessieren wo Steiner und solche die ihm nahe stehen, eine innere Grenze festmachen würden, bis wohin sich die anthropozentrische Sichtweise auflösen müsste und wo sie möglicherweise wieder zurück ins Spiel gebracht werden sollte, um nicht vollends die Kategorien zu verlieren.

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    • antoinedionel | vor 1892 Tagen, 10 Stunden, 25 Minuten

      Würde man den Anthropozentrismus

      überwinden, wäre ein Mensch genauso viel
      Wert wie ein Suppenhuhn, was zur Folge hätte, dass manche Menschen auch wie Suppenhühner behandelt werden würden.

      Das ist das BEDENKLICHE an diesem Gedankenkonstrukt.

    • biased | vor 1892 Tagen, 8 Stunden, 43 Minuten

      Ich teile diese Bedenken nicht

      Zunächst einmal wäre bei einer Überwindung des Anthropozentrismus ein Suppenhuhn kein Suppenhuhn mehr, sondern eine durch einen genetischen Code definierte Lebensform. Eine solche Abstraktion würde also nicht dazu führen, dass Menschen wie Suppenhühner behandelt würden, sondern dazu, dass biologisches Leben und Lebewesen insgesamt als technologisches Problem behandelt werden würden, deren genetische Disposition über ihre Rechte und Pflichten entscheiden würde. Eine nicht anthropozentrische Sichtweise auf biologisches Leben würde ja ein völlig anderes Framework voraussetzen, mit dem Lebewesen kategorisiert und definiert werden. Anstatt der Konstruktion von Begriffen durch Sprache (logos) würde Gesellschaft als Verschmelzung selbstevolutionärer Technologien funktionieren. Die Überwindung des Anthropozentrismus würde kurz gesagt dazu führen, dass Menschen und Suppenhühner gleichermaßen aus der biologischen Evolution aussteigen.

    • softmachine | vor 1891 Tagen, 9 Stunden, 10 Minuten

      tja, da bist du mitten bei sloerdijk und seinen regeln für den menschenpark. und klar kann man die "evolutionäre atombombe" (virilio) zünden. aber es gibt dann eben kein weg zurück.die veganertruppe ist ja eine der pfeilspitzen für genetische politik/ ideologie, ohne dies freilich zu merken.und schon wissen wir wieder, wie schnell "humanismus" zur steigbügel-metapher für leid, übermenschentum und massenmord werden kann.

    • biased | vor 1891 Tagen, 5 Stunden, 39 Minuten

      Ich teile diese Bedenken nicht

      Ich glaube dass es wichtig ist, sich für diesen Universalismus zu öffnen, der in dieser Idee steckt, ohne dass ich jetzt Ziele und Inhalten des Veganermilieus teilen würde. Es kann keinen ethischen Imperativ geben, der nicht zumindest die Möglichkeit enthält, dass es Respekt und Schutz für jede Art von Leben geben muss.
      Steiners Kritik so weit ich mich darüber informieren konnte bezieht sich genau auf diesen Punkt. Menschenrechte wurden durch das unschätzbare Vedienst der Aufklärung universell formuliert, ohne dass sie für alle tatsächlich galten, seien es die Frauen, seien es die nicht weißen nicht europäischen Menschen oder seien es die Kinder. Der Kampf um universelle Menschenrechte bleibt nicht stehen, wie Balibar einmal geschrieben hat. Sie sind in ihrer Natur extensiv und müssen immer auch für neue Minderheiten, Außenseiter und special interest Gruppen neu definiert werden.

      Es liegt also in der Natur der Sache, dass dieser humanistische Universalismus auch Leben und Rechte des Lebens sich auf alle Lebensformen ausdehnen wird müssen.

      Dieser Idee zumindest sollte man offen gegenüber stehen.

    • softmachine | vor 1891 Tagen, 3 Stunden, 51 Minuten

      vorausgesetzt der humanismus ist eben nicht nur auf den menschen beschränkt. was wenn die tötung von tieren genau dem humanismus dient ? was wenn dieser veganismus nur das todestabu einer pseudoaufgeklärten gesellschaft spiegelt ? was wenn zuerst die menschenrechte durchgesetzt und verteidigt gehören und dann erst die rechte von haustieren und diese luxusdiskurse eben genau von einer globalen welt der menschenrechte ablenken ? was wenn wir in die tiere absurderweise nur das ideal des besseren menschen projezieren ?

    • biased | vor 1890 Tagen, 10 Stunden, 23 Minuten

      Zu viele Was-wenns

      Das sind zu viele Spekulationen. Konzentrieren wir uns auf das Wesentliche: Der Hinweis auf Sloterdijk ist nicht ganz unberechtigt, aber er greift zu kurz.
      Unsere Zivilisation steht vor dem nächsten großen Sprung ins Zeitalter der selbstevolutionären Biotechnologien. Die Frage ist nicht ob sondern nur wie wir mit dieser Herausforderung umgehen. Im Übrigen hat die von katholischer Theologie inspirierte Bioethik einiges zum Verhältnis Mensch-Tier zu sagen, aber das führt jetzt zu weit.

      Wir sollten die Bedenken, die du anführst und die nicht unberechtigt sind, nicht als Ausrede verwenden, unseren universalistischen Anspruch zu reduzieren.

      Die Ethik einer Überwindung des Anthropozentrismus ist wahrscheinlich nicht seine Überwindung, sondern seine Neuformulierung vor dem Hintergrund eines postevolutionären Frameworks, in dem Lebewesen anhand ihres genetischen Codes identifiziert werden. Eine solche Ethik ist für kommende Jahrhunderte vielleicht ein Test, wie wir mit der Tatsache umgehen könnten, dass es auch andere intelligente Lebewesen in unserer Galaxis gibt. Sollte sich irgendwann in den nächsten Jahrhunderten so ein Kontakt ergeben, wäre ein Anthropozentrismus ohnehin sinnlos geworden. Bereiten wir uns darauf schon mal vor.

    • softmachine | vor 1890 Tagen, 53 Minuten

      nun ja, auf solche eso faschings ufo argumente mag ich mich nicht wirklich einlassen. dazu bin ich zu sehr materialist,existenzialist, situationist. die genetische evolution by human design dient nur der optimierung, der fehlerausmerzung. da sind wir bei sehr dunklen ideologien angelangt, die mit christentum eher genau gar nix mehr zu tun haben, sondern eher mit nietzsche etc. interessant finde ich da ja zb die verbindung von "veganer als übermensch" und postfaschistischen technologischen ideologien der übermenschproduktion. da sind wir wahrscheinlich eher bei einer wahrheit, aber bitte, das ist meine humble opinion.weil: diese veganer argumente sind natürlich wasser auf die gebetsmühlen der bioengeneeering- und ausleseverfahren fundis des neoliberalen permanenten outsourcings aller natürlicher gesetze.

  • simorgh | vor 1892 Tagen, 14 Stunden, 58 Minuten

    Steiner ist tatsächlich selbst anthropozentrisch orientiert

    Das Problem bei Steiner ist, dass er selbst anthropozentrisch argumentiert. So sagt er auf seinem Uni-Profil: "If we were to acknowledge the fundamental similarities between human and non-human animal life—for humans, too, are animals—it would be impossible for us to ignore the moral implications of the ways in which we use animals to satisfy our desires". Er spricht also von der Wichtigkeit der Anerkennung der fundamentalen Ähnlichkeiten zwischen Menschen und nichtmenschlichen Tieren als einer Vorraussetzung zur Anerkennung von Tierrechten, weitläufig gesagt. Er macht damit das menschliche Parameter wieder zum Zentrum von Wichtigkeit und Relevanz, zum Maß der Dinge. Relevant für Tierrechte ist aber nicht in wie weit nichmenschliche Tiere so sind wie Menschen in gewissen Hinsichten. Der Vergleich ist keine echte Basis zur Anerkennung der nichtmenschlichen Tierwelt in ihrer Besonderheit und in ihrer Einmaligkeit.

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  • arnonymous | vor 1893 Tagen, 1 Stunde, 7 Minuten

    hmm

    was für ein stuss.

    der mensch ist fleisch weil er sich über den tieren stehen sieht?

    der mensch ist tiere, weil es völlig normal ist, dass lebewesen einander fressen. willkommen in der natur.

    veganer sehen sich moralisch besser, weil sie den menschen über den tieren stehen sehen. tiere fressen einander, sind moralfrei. aber der mensch, das superwesen, hat moral anzuwenden.

    schlimm, wie die entfremdung des menschen von der natur ihre blüten treibt. die heiligsprechung der tierwelt ist quatsch, der einzelne mensch ist für die natur auch nur ein opfer.

    unsere gesamte zivilisation fusst auf der verteidigung *gegen* die gewalt der natur. klima, hunger, raubtiere.

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    • arnonymous | vor 1893 Tagen, 1 Stunde, 6 Minuten

      wtf, isst nicht ist, 2x

    • diskovic | vor 1892 Tagen, 15 Stunden, 30 Minuten

      sehr vereinfachte Sichtweise

      "schlimm, wie die entfremdung des menschen von der natur ihre blüten treibt"

      hormonverseuchtes massentierhaltungsfleisch aus dem supermarkt spricht wahrlich für ein respektvolles naheverhältnis zur natur.

      "unsere gesamte zivilisation fusst auf der verteidigung *gegen* die gewalt der natur. klima, hunger, raubtiere"

      Nachdem Fleischproduktion für mehr Emissionen als der gesamte Verkehr verantwortlich ist und damit zum Klimawandel beiträgt, Ressourcen in unglaublichem Ausmaß verschwendet und es einen klaren Zusammenhang zwischen Hunger und Fleischproduktion gibt ist Veganismus eine logische und zeitgemäße Lösung.

    • simonside | vor 1892 Tagen, 10 Stunden, 54 Minuten

      diskovic, du sprichst mir aus der seele. leider sehen das nicht viele so, für die das schnitzel oder der burger objekt kulinarischer erdung, nationaler identifikation und familientraditionelles sehnsuchtsobjekt ist. wie die raucher sich den krebs wegdenken, so verdrängen die fleischesser jeden emotionalen zusammenhang zwischen fühlenden lebewesen und plastikverschweisstem faschiertem. das fleischlaberl in seiner vergemütlichten deminutiv-form wird unterbewusst vom vorhergehenden genickschuss in weite assoziative ferne gerückt. selber jagen, erlegen, häuten, zubereiten - geht sich auch für mich als vegetarier aus. aber die industrialisierung und bürgerliche traditionsrechtfertigung der massentötung von tieren zur „fleischproduktion” ist für mich so anachronistisch wie schwarzweiß-TV.

      ich mag einfach tiere viel zu gern, deswegen macht mir der verzicht auf gewürzte leichenteile nichts aus, es gibt genug köstliches ohne fleisch. peace.

    • arnonymous | vor 1892 Tagen, 10 Stunden, 47 Minuten

      @simonside:

      q.e.d.
      danke für die personifizierung meines arguments.

    • simonside | vor 1892 Tagen, 10 Stunden, 25 Minuten

      haha. : ) schau, lieber das, als die personifizierung unserer preis-leistungsgesellschaft zu sein, so wie du. die welt ist nun mal schlecht, die natur grausam und da kann man nix machen, arno? kann man sehr wohl, weil du als (höheres?) menschenwesen für dich und deine konsumentscheidungen gradestehen kannst. ich hab den eindruck, dich hat der ganze zivilisationswahnsinn zermürbt. trotzdem: DU könntest die veränderung sein, die du dir in der welt wünschst. aber du wünschst ja nichts, in diesem zustand trostloser, seelischer ernüchterung. ist das deine vorstellung von zivilsierter verfeinerung?

      http://derstandard.at/1331779904382/Oberoesterreich-Qualvoller-Rindertransport-auf-der-Westautobahn-gestoppt

  • biased | vor 1893 Tagen, 2 Stunden, 3 Minuten

    Ich persönlich finde den philosophischen Ansatz sehr interessant

    kann mir aber nicht vorstellen was politisch daraus folgen soll. Es gibt ja ökologische Forderungen, die prinzipiell vernünftig sind, was die Nutztierhaltung und den Fleischkonsum betrifft, im Zusammenhang mit Hunger, Klimawandel und der Vernichtung von landwirtschaftlichen Flächen. Oder die Ablehnung von Tierversuchen usw.

    Mir ist nicht klar , was Kritik des "Anthropozentrismus" heißen soll. Das suggeriert eine universell gleiche Sichtweise des Menschen, die von allen Kulturen und Zivilisationen auf die gleiche Weise betreiben würde. Nicht einmal kulturell und zivilisatorisch betrachten wir uns als Gleiche, als Anthropos. Wie sollen Tiere in dieses Framework passen, ganz naiv gefragt?

    Kurz gesagt: Das Hauptproblem ist, dass die Klarheit, die der Autor über den Begriff "Mensch" suggeriert ist einfach nicht gegeben. Bevor wir uns noch darüber unterhalten können, wie Tiere besser behandelt werden - und das ist ja absolut notwendig - ist völlig unklar, was Menschen eigentlich sind.

    Ich werde mir das Buch jedenfalls durchlesen, aber ich bin nicht traurig, wenn Burstup darauf vielleicht eingehen könnte.

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    • burstup | vor 1892 Tagen, 15 Stunden, 25 Minuten

      Hi Biased!

      Ich weiss nicht, ob das deine Frage beantwortet, weil ich mir nicht ganz sicher bin, was genau du mich fragst. Aber ich probier's mal. Steiner spricht im Interview davon, wie er Menschen sieht, nämlich als "animals with big brains". Seine Forderung nach Aufgabe des Anthropozentrismus basiert auf der Annahme der "shared kinship" zwischen Mensch und Tier. In allen menschlichen Kulturen gibt es ein Wort, das dem griechischen Wort anthropos (Mensch) entspricht. Die Kritik der Abolitionists am Anthropozentrismus (der bis auf wenige Ausnahmen tatsächlich eine universelle Sichtweise ist) ist Kritik an der Idee, der Anthropos stünde über den "nichtmenschlichen Tieren".

    • biased | vor 1892 Tagen, 12 Stunden, 23 Minuten

      Danke für deine Antwort

      Zwei Sachen, die mir dazu einfallen:

      Die Forderung nach einem Universalismus, der auch nichtmenschliche Lebewesen in eine allgemeine Ethik mit einschließt, ist mir persönlich sehr sympathisch. ich wüsste zwar nicht wie das gesellschaftlich und politisch gehen sollte, bzw. was genau das wirklich bedeutet, aber da die Geschichte der Menschenrechte selbst immer ein Kampf darum waren, diejenigen einzubinden, und daran teilhaben zu lassen, die bis dato nicht dabei waren, ist es logisch, dass sich eine humanistische Ethik auch irgendwann auch auf Primaten beziehen wird müssen. Aber es regt sich gerade deshalb eine gewissen Skepsis bei mir.
      Das führt mich zum zweiten Punkt:

      Mit Aussagen wie "In allen menschlichen Kulturen gibt es ein Wort, das dem griechischen Wort anthropos (Mensch) entspricht." wäre ich sehr vorsichtig. Ich glaube nicht, dass das stimmt.

      Zwar haben alle Kulturen Worte, die den oder die Menschen bezeichnen, aber es ist sehr kulturabhängig, wer genau in diesen Begriff fällt. ich würde als Historiker eher davon ausgehen, dass die meisten Kulturen als "Menschen" nur diejenigen begreifen, die ihrem eigenen Tribe oder Kollektiv irgendwie angehören und alle anderen eher davon ausschließen. Die Geschichte der Sklaverei, des Krieges, der Massenmorde die fast durch gehend bei...

    • biased | vor 1892 Tagen, 12 Stunden, 23 Minuten

      (Forts.)

      allen Kulturen zu finden ist, gibt darüber sehr beredte Auskunft wie ich meine.

      Das Problem erscheint mir vorerst eher darin zu liegen, dass der Begriff des "Anthropos" nur die Mitglieder des eigenen Kollektivs meint, und alle anderen inklusive der Tiere davon ausschließt.

      Diesen inneren Widerspruch, diesen Konflikt mit humanistischen Prinzipien reflektieren die meisten Tierrechtler, die ich bisher kennen gelernt habe nicht.

  • michaelschmid | vor 1893 Tagen, 2 Stunden, 33 Minuten

    Auch spannend

    in diesem Zusammenhang: Donna Haraways "Companion Species Manifesto" -> http://bit.ly/FOqtns (PDF 2,3 MB)

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