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Alexandra Augustin

West Coast, wahnwitzige Künste und berauschende Erlebnisse. Steht mit der FM4 Morningshow auf.

1. 10. 2010 - 15:10

Cardiochaos

Bei der Soundpark Band des Monats Oktober gibt es Herzschmerz, Herzflattern und Herzrhythumsstörungen.

CARDIOCHAOS

FM4 Soundpark Band des Monats kann jede Band werden, die sich im
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Die spannendesten Künstler, Musiker, Autoren und Schauspieler sind oft die, denen im Leben nicht immer alles in den Schoß fällt. Diejenigen, die nicht Unsummen an Geld am Konto haben, die nicht immer die besten Schulen und Universitäten (wenn überhaupt) besucht haben und diejenigen, die vielleicht immer um ein kleines Eck weniger begabt sind, als das Wunderkind nebenan. Denn ohne das Scheitern im Alltag, im Lebenslauf und manchmal auch an der eigenen Person kann kein Künstler wachsen und keine emotionale Weitsicht entstehen. Ohne Pleiten, Pech & Pannen gibt's nix, so sagt man.

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Menschen, die im Laufe ihres Lebens einmal verloren waren. Die an sich stark gezweifelt haben. Menschen, die ein Handicap haben, die mit Unfällen oder Krankheiten zu kämpfen hatten, die "ein Binkerl zum Tragen haben". Das sind Menschen, die meistens auch die besten Geschichten zu erzählen haben.

Manchmal ist das ein kleiner Herzfehler und ein durchtrennter Nerv in der rechten Hand, weil man sich als Kind beim Spielen versehentlich geschnitten hat und somit niemals ein Profi-Gitarrist werden wird. So wie bei Cardiochaos.

Cardiochaos

Peter Cardiochaos

Das ist Cardiochaos. Aber man muss sich nicht fürchten.

I am my worst enemy

Hinter Cardiochaos steckt kein großer Tross an Menschen, sondern nur ein einziger Musiker namens Peter Brunner. Den jungen Musiker "quält" ein obsessiver Schaffensdrang. Daran sind die "Extrasystolen" schuld, die er in seiner Brust spürt. Zusätzliche Herzschläge, die zwischen einem normalen Herzschlag klopfen. Auch Herzstolpern genannt. Angeblich ein harmloser Defekt, der aber einen Nebeneffekt hat: Sein Herz lässt den jungen Musiker nie zur Ruhe kommen und er fühlt sich immer ein wenig so, als hätte er gerade vier doppelte Espresso runter gekippt.

"Manchmal will ich mich zufrieden zurücklehnen um mich mal auszuruhen. Doch dann spüre ich immer wieder diese Extraschläge, die mich dann wieder antreiben etwas zu tun."

Diese Rastlosigkeit hat Peter dazu bewegt, sich neben seinem Studium an der Wiener Filmakademie bei Michael Haneke noch eine musikalische Nebenbeschäftigung zu suchen. Einerseits in einer Band namens
Figure in Frame. Aber da das immer noch nicht genug Beschäftigung ist, eben auch im Alleingang mit seinem Soloprojekt Cardiochaos.

Die FM4 Soundpark Band des Monats ist auch zu finden auf jedem Snipcard-Board auf www.snipcard.at

Peter Brunner produziert die elektronischen Beats, er singt, er spielt Gitarre und lässt allerhand Geräusche und Melodien in seine Stücke einfließen: Ein Potpourri an Kinderspieluhren, Aufziehplüschtieren die Musik machen, Kinderklavieren und sogar einem Theremin, dem wahrscheinlich interessantesten Instrument der Welt.

Außerdem finden sich Geräusche wie Silvesterkracher, sogenannte "Piraten", die einfach "mal so" im Kellerstudio in die Luft gejagt und Sternspritzer, die abgefackelt und aufgenommen werden, knarzender Elektroniklärm und collagenhaft darüber montierte Gesangsbilder. Und dann schlägt da immer dieser Beat im Hintergrund, der jedes der Stücke antreibt, sie zusammenhält und nicht von ungefähr an ein im ganz eigenen Takt schlagendes Herz erinnert.

Das alles findet seinen Platz in den melancholischen bis hymnischen Popsongs von Cardiochaos, die in vielen Momenten an andere ganz große KomponistInnen denken lassen: Jónsi, Björk und die im Badezimmer werkelnden CocoRosie-Schwestern etwa.

In Kürze wird Cardiochaos seine Debüt-EP
"Poetic Terrorism" fertig stellen. Wo und wann sie erscheinen wird ist noch nicht fix, Infos gibt es dann auf der Facebook Seite.

Heart's like a hole

Das Besondere an den Liedern von Cardiochaos ist also die Vielschichtigkeit, mit der sich die Stücke präsentieren und die einem ins Staunen versetzen. Das ist das Ergebnis langer Arbeit. Manche Lieder existieren schon seit Jahren, manche sogar schon seit einer Dekade. Immer wieder wird eine neue Schicht an Geräuschen und Melodien zu einem Stück hinzugefügt, dann wird es wieder Beiseite gelegt. Dann, nach vielen Monaten, wieder aus der Schublade herausgekramt und weiter arrangiert bis sich letzten Endes aus einer skizzenhaften Idee und aus einer Mischung an Folkeinflüssen, Pop, Klassik, Technobeats und poetisch anmutenden, assoziativen Textfetzen ein fantastisches musikalisches Gebilde herausgeschält hat.

Mehr zu Cardiochaos

3.10.: Cardiochas zu Gast im FM4 Soundpark und
demnächst auch zu Gast Im Sumpf

Wenn man Peter fragt, wie dieser Prozess eigentlich genau aussieht, dann bekommt man als Antwort, dass sich die Lieder sowieso längst fertig in seinem Kopf befinden würden und sich nur mehr ihren Weg nach Draußen in die Vertonung bahnen würden. Und außerdem entschuldigt er sich dafür, "dass sie nicht so perfekt sind, wie sie eigentlich sein könnten".

Die spannendsten Künstler sind meistens eben auch die, die sich selbst unterschätzen und dadurch immer weiter angetrieben werden. Und die davon besessen sind, ihren Ansprüchen an sich selber gerecht zu werden und ihr ganzes Herzblut in ihre Arbeit stecken. Von diesem Mann hören wir in der nächsten Zeit bestimmt noch eine Menge.

Hier noch das fabelhafte Video von Cardiochaos zum Lied "Discosleep", für das er den Wiener Liveball gecrasht hat. Zitat von einem Cardiochaos-begeisterten Fritz Ostermayer: "Das ist ja fast schlingensiefesk!"

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Forum

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  • cpausch | vor 2510 Tagen, 10 Stunden, 19 Minuten

    das video! ich bin verliebt! :)

    Auf dieses Posting antworten
  • aereogramme | vor 2513 Tagen, 3 Stunden, 23 Minuten

    Zum (grenzgenialen) Video muss man anmerken, dass das Mädel am Ende bspw nicht geplant war, sonder es sich einfach so ergab.
    Aja, und es is chronologisch - Peter hat mit zwei Herrschaften einfach betrunken den LifeBall gestürmt.

    (Seine Band 'Figure In Frame' ist übrigens (noch) besser)

    Auf dieses Posting antworten
    • aereogramme | vor 2513 Tagen, 3 Stunden, 23 Minuten

      Ich kaufe ein N

  • christianlehner | vor 2514 Tagen, 29 Minuten

    bist du, ist das super. ich buch sofort ein rückflugticket!

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    • alexandraaugustin | vor 2513 Tagen, 15 Stunden, 25 Minuten

      na na....jetzt bleibens mal schön in NY, den herrn verschiffen wir doch da hoffentlich mal rüber ;-)

  • bigbadjohn | vor 2514 Tagen, 2 Stunden, 55 Minuten

    Erster

    weil wenn es etwas gibt, was ich verachte, ist das ein fairer Kampf

    Auf dieses Posting antworten