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Karl Schönswetter

"Daylight it's web-design, at night partytime". Elektronische Musik, im Netz und auf Parties.

23. 9. 2009 - 12:15

Nomadic Village 2009

Wenn KünstlerInnen aus allen Teilen der Welt ihren Traum von Freiheit in Bulgarien verwirklichen. Ein Bericht von einem 10-Tage-Experiment im Schmiede-Tagebuch, Teil 2.

Klaus Mähring

Reclaim! ist im zersiedelten Mitteleuropa eine hochbrisante Kampfansage der (meist) Jungen, die ihren Platz im Land der (meist) Alten einfordern. Die Anziehungskraft unseres attraktiven Lebensraumes hat die unangenehme Folge einer Enge, welche zu Überregulierung und Begrenzung führt. Wir kämpfen nicht um Brot, sondern um Freiraum. Das Problem ist uns bekannt, in Salzburg kann der unfreiwillige Nomade „MARK“ ein langes Lied davon singen, in Wien war jüngst die Debatte um die Gestaltung der Freizeit im MQ Stein des Anstoßes. Es ist daher mehr als nur nachvollziehbar, dass unser Ruf nach Freiheit nach einem Echo sucht und wir haben das Glück, dass das Paradies gar nicht so weit entfernt ist.

Klaus Mähring

Klaus Mähring

Klaus Mähring, sein blaues fahrendes Atelier und On The Road Productions haben letztes Jahr in Bulgarien, genauer gesagt in der Nähe des Dorfes Pavlikeni einen Platz gefunden und nach ein bisschen Zeit der Planung beschlossen, heuer einen Künstlerfreistaat auszurufen. Dieses Projekt, ein Hybrid des Schmiede-Netzwerkes, wurde von 20. bis 30. August 2009 durchgeführt und eine Ausstellungsinstallation in Hallein bei Salzburg dokumentiert diese vielfältige Veranstaltung.

Martina Danolo & Marek Gabrysh

© Martina Danolo & Marek Gabrysh

Klaus Mähring

Es begann mit der Idee, unterwegs zu arbeiten. Klaus Mähring hat sich auf das Belichten von Hauswänden spezialisiert. Mit Dunkelzelt, Nachtstunden und Entwicklerflüssigkeit wird an allen möglichen Orten an der Weiterentwicklung von Graffitti gearbeitet. Hausmauern werden zu Fotopapier und die Welt wird zur Dunkelkammer. Gemäß dieses Anspruchs, gestärkt durch mobile Werkstatt, Lebensraum und Rückzugsgebiet, konnte die Idee einer mobilen Galerie entstehen und der Schritt weiter, nämlich der Gedanke an eine entörtlichte Version der Schmiede irgendwo in der Welt, war nur noch ein Katzensprung.

Gerald Schober

© Gerald Schober

Die ganze Welt, oder sagen wir bescheidener, einige InteressentInnen aus aller Welt, haben sich zusammengefunden und 10 Tage lang gemeinsam gelebt und gearbeitet. 25 KünstlerInnen aus 10 Nationen rauften sich auf einer fußballplatzgroßen Fläche im Outback von Bulgarien zusammen und gingen sich konstruktiv auf die Nerven. Der Preis wurde mit dem Überleben von Zivilisationskrankheiten bezahlt (Gruppendynamik, Hygiene und Intimität). Entstanden sind ein kunstbekehrtes Dorf, geerdete KünstlerInnen und viele spannende Kunstwerke, wie z.B. folgendes Musikvideo:

Über das lustige Interface in diesem Video wird es noch eine eigene Story geben

Klaus Mähring

Die Ausstellung in Hallein vermittelt das Feeling des Zeltlagers. Die archaische Umgebung der Alten Saline schafft die richtige Atmosphäre für die Installationen, die trotz Video und Sound nicht übertechnologisch und allzu clean wirken. Da nicht alles so ganz klappt und manche Geräte ihre spröde Sperrigkeit unter Beweis stellen, spürt man ein bisschen auch die Notwendigkeit von Toleranz und Improvisationsvermögen - ebenso eine perfekte Inszenierung, weil wenn man sich gegenseitig schon auf die Nerven geht, lernt man vor allem eins: Sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Eine Geschichte aus dem Schmiede-Tagebuch.

Was bisher geschah:
CHUKWA’S APPROACH | DEPART

Klaus Mähring

© Klaus Mähring

http://www.nomadicvillage.lufka.org

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