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Roland Gratzer

Links und Likes

17. 6. 2009 - 13:00

Die Suche nach dem Selbst

Zwei Drittel aller 18-29 Jährigen suchen im Internet regelmäßig nach sich selbst. Mit Bing und Wolfram Alpha muss das jetzt nicht mehr nur auf Google getan werden.

Schon wieder dieser Schweizer. Egal, welche Suchmaschine ich mit meinem eigenen Namen füttere: Das Bild des attraktiven Eidgenossen taucht immer und überall auf. Wer sich regelmäßig selbst googelt (und das ist wahrscheinlich eine sehr hohe Dunkelziffer), kennt das Problem: Ohne einzigartigen Namen ist man in der Welt der in Sekundenbruchteilen zusammen gestellten Suchergebnisse nicht allein. Auch bei dezidiert auf Personensuche spezialisierten Maschinen wie etwa 123people findet man höchstens die Telefonnummer seines Namensvetters in einem fernen Bundesland raus. Und da hilft auch die neue Suchmaschine Bing eher wenig. Vom Wunderkind Wolfram Alpha gar nicht zu sprechen.

Das Ende des Stillstands

Jahrelang hat sich am Suchmaschinenmarkt wenig getan. Als Google rund um das Jahr 2000 groß geworden ist, waren die Konkurrenten Yahoo und Altavista schnell vergessen und nur mehr für ein paar unverbesserliche Nostalgiker interessant. In den letzten Monaten hat die viel zu viel zitierte Erfolgsgeschichte aus dem Silicon Valley aber Konkurrenz bekommen. Microsoft hat es anscheinend satt, am gar nicht so unlukrativen Suchmaschinenmarkt hinterher zu hinken. Und weil Mozilla Firefox mit google kooperiert, muss halt auch der Internet Explorer eine hübsche integrierte Suchmaschine haben.

Beta

Hierzulande ist Bing noch immer nur in der Beta-Version verfügbar. Und bis auf das ständig wechselnde Hintergrundbild ist der Mehrwert gegenüber der gern genutzten Startseite google kaum ersichtlich. Eine kleine Aufregung hat es bezüglich der Videosuche gegeben: In der US-amerikanischen Vollversion von Bing reichte es anfangs nämlich, mit der Maus über das Vorschaufenster zu fahren, und schon startet das Video. Die Jugendschützer sprangen schnell auf die Barrikaden und verurteilten den allzu leichten Weg, sich an Pornographie zu laben. In der deutschsprachigen Beta-Version geht das übrigens nicht. Bezüglich Ego-Suche unterscheidet sich Bing kaum von google, auch hier hat sich oben genannter Schweizer eingeschlichen.

Screenshot der neuen Suchmaschine bing

bing

Alpha

Bei Wolfram Alpha hingegen spuckt die Suche nach meinem Namen eine bisher unbekannte Information aus. Bisher wusste ich nämlich nicht, dass zwischen der Stadt Roland in Iowa und der steirischen Landeshauptstadt Graz 8516 Kilometer liegen. Aber das hat ja eigentlich gar nichts zu sagen. Schließlich ist Wolfram Alpha nicht dazu da, potentielle Eigenliebe zu unterstützen. Hier geht es darum, Suchanfragen semantisch zu analysieren. Will heißen: Wörter werden nicht nur einfach gesucht, sondern auf deren Inhalt untersucht. Und als Ergebnis bekommen die User dann keine unübersichtliche Liste mit links und Fotos. Wolfram Alpha stellt eine Art Dossier aus eben diesen Quellen zusammen. Gut ersichtlich an einem einfachen Beispiel: Wer in google oder Bing den Begriff "Mars" eingibt, bekommt ein Sammelsurium an Einträgen über den Planeten, den Schoko-Riegel oder einen asiatischen Stuntman, der eben so heißt. Wolfram Alpha hingegen gibt die verschiedenen Begriffsdefinitionen an und liefert diesbezüglich spezifizierte Ergebnisse. Wer also etwas über den Planeten wissen will, wird nicht einfach auf die Wikipedia verwiesen sondern bekommt ein hübsch gestaltetes Dossier mit den wichtigsten Daten über den roten Planeten. Sehr super eigentlich, aber nicht der anfangs verschrieene Google-Killer.

Screenshot von Wolfram Alpha

wolfram alpha

Fazit

Bing ist hübsch und laut Eigendefiniton auf Dinge wie Reisen und Einkaufen spezialisiert. Google funktioniert wie eh und je und Wolfram Alpha verlangt von den Usern ein gewisses Maß an Eigenengagement. Letztlich kommt es aber immer drauf an, was man eigentlich sucht. Und wer nicht mehr weiter weiß, der frage seinen Facebook- und Twitter-Freundeskreis. Denn dort werden spezifische Fragen meistens am besten beantwortet. Und die Verwechslungsgefahr mit Schweizer Namensvettern ist zum Glück ausgesprochen gering.

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Forum

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  • confetti | vor 2925 Tagen, 1 Stunde, 18 Minuten

    Daqmey pat

    Solange es die beiden Suchdienste nicht auf Klingonisch gibt ist es leider keine Alternative zu Google.

    Auf dieses Posting antworten
  • mausfabrik | vor 2926 Tagen, 10 Stunden, 38 Minuten

    ohne jetzt werbung machen zu wollen, aber so vom ansatz schaut gsquared auch interessant aus: http://www.google.com/squared

    Auf dieses Posting antworten
  • anonymeroutsider | vor 2926 Tagen, 21 Stunden, 38 Minuten

    42

    Auf dieses Posting antworten
    • anonymeroutsider | vor 2926 Tagen, 21 Stunden, 38 Minuten

      oops... 42

      http://www29.wolframalpha.com/input/?i=what+is+the+answer+to+Life%2C+the+Universe+and+Everything

  • ondrusova | vor 2927 Tagen, 1 Stunde, 36 Minuten

    grossartig jetzt hab ich mich selber alpha gewolframt und was kommt raus: verwirrung!!!

    "Wolfram Alpha isn't sure what to do with your input. Try: Languages:
    information about a language sausi"

    Auf dieses Posting antworten
    • ondrusova | vor 2927 Tagen, 1 Stunde, 21 Minuten

      ich nehm alles zurück natürlich is es super, dass man mich nicht findet, aber ich hoffte ein paar namensvetterische cousinen 4.grades in kanada aufspüren zu können!

    • rafael | vor 2927 Tagen, 58 Minuten

      nachdem der wolfram content technisch im weitesten sinn so aufgebaut ist, wie eine klassische enzyklopädie, also nur dinge "weiß", die von mitarbeitern bewusst in die datenbank eingespielt wurden, ist nicht zu erwarten, dass er mit beliebigen namen etwas anzufangen wüsste. im gegensatz zu google und bing, die ja als tatsächlich suchmaschinen (was wolfram alpha ja überhaupt nicht ist) praktisch ungefiltert den gesamten netzinhalt indizieren.

      wolfram kennt übrigens - soweit ich das bisher abschätzen konnte - eigentlich nur wirkliche große amerikanische promis mit namen. und dann auch nur geburtsdatum, profession und geburtsort. kein grund also, an seiner popularität zu zweifeln, nur weil die große knowledge engine einen nicht kennt...

    • locki172 | vor 2927 Tagen, 19 Minuten

      "alpha gewolframt" hahahaha! grandios!

  • buntewarenwelt | vor 2927 Tagen, 3 Stunden, 42 Minuten

    Also ich bin ganz froh drüber, dass ich einen prominenten Namensvetter habe und sich die Einträge über mich somit erst auf den hinteren Google-Seiten finden. Bin allerdings auch nicht bei Facebook etc.

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  • shrot | vor 2927 Tagen, 4 Stunden, 46 Minuten

    nach sich selbst suchen nennt man jetzt übrigens egogoogeln. und nach anderen suchen ist cyberstalking.
    siehe
    http://www.kurier.at/kult/1915804.php

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    • gratzer | vor 2927 Tagen, 4 Stunden, 26 Minuten

      oder halt mittlerweile "egobingen".

    • locki172 | vor 2927 Tagen, 14 Minuten

      onlinestalking hör ich öfter.

  • derzeigerinderkurve | vor 2927 Tagen, 6 Stunden, 40 Minuten

    wolfram

    at his best

    http://tinyurl.com/nwrv6j
    http://tinyurl.com/n4xx87
    http://tinyurl.com/m5j8um

    "what would your mother say?"

    Auf dieses Posting antworten
    • isron | vor 2927 Tagen, 4 Stunden, 24 Minuten

      http://www82.wolframalpha.com/input/?i=hello+world

    • cerialkiller | vor 2927 Tagen, 4 Stunden, 7 Minuten

      auch gut
      http://tinyurl.com/m6zpbo

    • locki172 | vor 2927 Tagen, 9 Minuten

      klassisch

      http://tinyurl.com/m4v2gv

    • locki172 | vor 2927 Tagen, 3 Minuten

      http://tinyurl.com/noje7j
      http://tinyurl.com/kq3hog
      hui - i find des voll super!

    • locki172 | vor 2926 Tagen, 19 Stunden, 44 Minuten

      http://www29.wolframalpha.com/input/?i=do+you+love+me
      ach, ich könnt ewig weiter tun.
      alles andere ist so intressant, wenn man für die matura lernen muss.
      morgen saug ich meine wohnung, ich freu mich scho so drauf....
      http://www29.wolframalpha.com/input/?i=Whats+the+time
      http://www29.wolframalpha.com/input/?i=are+you+married
      http://www29.wolframalpha.com/input/?i=do+you+know