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Rafael Reisenhofer Osnabrück

Lebt und studiert in Osnabrück

23. 5. 2009 - 15:57

Jag das Schnitzel!

Drei Tage lang ohne tieferen Sinn durch Wien hirschen, auf der Suche nach Tamagotchis, Prostituierten und humorbegabten BundespolitikerInnen. Der hunTU - die Schnitzeljagd der TU Wien.

Endstand

1. Fachschaft Chemie, wir sind wie Xenon
2. hule-hule B.r.a.i.n.s
3. Akkon

Wie erwähnt liegt Krise voll im Trend. Wer jedoch starr vor Zukunftsangst das Wochenende hinter dicken Vorhängen verbarrikadiert im trauten Eigenheim verbringt und sich von einem mittelmäßigen Hauptabendprogramme betäuben lässt, läuft Gefahr, etwas zu verpassen. Denn intelligente, aufgeschlossene Menschen von morgen wissen besseres anzufangen, und finden gefallen daran, drei Tage lang auf der Suche nach obskuren Objekten durch die Wiener Innenstadt zu hetzen, zwischendurch verwegene Verkleidungen überzustreifen, und ganz ohne Hintergedanken die Nähe von Prostituierten zu suchen. Selbst wenn am Ende nicht mehr zu holen ist, als ein paar Punkte, Ruhm und Ehre.

Ein Mann in eimem Rosaroten Panther Kostükm mit einem Kondom dass über den Schwanz gezogen hat.

hunTU

Objekt Nr. 13, Eine mindestens 50 Zentimeter große Paulchen-Panther-Plüschfigur. (15 Punkte)

Anzahl teilnehmender Teams

2008: 7
2009: 26

hunTU!

All dies mag eigenartig klingen, hat aber System und: einen Namen. Der hunTU ist eine von StudentInnen der TU Wien nunmehr zum zweiten Mal veranstaltete Schnitzeljagd mit dem schlichten Ziel, Freude, Abwechslung und ein bisschen Würze in den sonst eher trockenen Uni-Alltag zu bringen. Als großes Vorbild dient dabei der mittlerweile legendäre Scavenger Hunt der University of Chicago, welcher nicht nur auf eine mehr als 20-jährige Geschichte zurückblicken kann, sondern auch mit einem 1999 im Zuge des Wettbewerbs errichteten, funktionsfähigen Brutreaktor für Aufsehen sorgte. Auf derartige Extravaganzen hat das 10-köpfige Organisationsteam des hunTU bisher zwar verzichtet, der Vorwurf der Einfallslosigkeit die diversen Objekte und Aufgabenstellung betreffend wäre aber troztzdem mehr als unangebracht.

Ein Mann im blauen Hemd verzieht übertrieben das Gesicht während einer Geschicklichkeitsaufgabe.

hunTU

Objekt Nr. 109, Zwei vom Organisationskomitee zur Verfügung gestellte Geschicklichkeitsspiele. Fünf Minuten, ein Versuch, ein Teammitglied pro Spiel. (100 Punkte)

Die vollständige Objektliste findet sich hier.

hunt Dr. Heinz Fischer!

So wäre zum Beispiel eine exklusive Unterstützungserklärung des Bundespräsidenten ganze 100 Punkte wert - übrigens ebenso viel, wie 2008 noch Natascha Kampusch. Ebenfalls beachtlich dotiert auf der 222 Objekte starken Liste: Eine Überweisung auf die Psychiatrie, eine gegen den Uhrzeigersinn tickende analog-Uhr, die Geburtsurkunden von sechs Geschwistern, Eintrittskarten der Olympischen Spiele 2008 in Peking, sowie ein essbarer, nicht angeschnittener aber in jedem Fall gekochter Semmelknödel mit einem ganzen Stück Würfelzucker in der Mitte. Überdies finden während der präzise 3.14 Tage des hunTU mit einer kreativen Spanne von Texas Hold'em bis hin zur wettbewerbsmäßigen Mumifizierung mit Klopapier regelmäßig so genannte "Action Tasks" statt, bei denen die Teams im direkten Duell einiges an Punkten gut machen können.

Der Hörsaal 1 der TU Wien. TeilnehmerInnen des hunTU mumifizieren ihre TeamkollegInnen mit Klopapier um die Wette.

Radio FM4

Objekt Nr. 139, Ein Teammitglied, nur mit Klopapier als "Mumie" vollständig eingewickelt. Atemöffnungen dürfen offen bleiben; Klopapier muss von den Teams gestellt werden. (50 Punkte für das schnellste Team)

Harte Bandagen

Den Teams ob des charmanten Festival-Charakters der Veranstaltung schaumgebremsten Ehrgeiz zu unterstellen, wäre eine grobe Fehleinschätzung. Gerade bei den Punkte- und Prestigeträchtigen Aufgabenstellungen werden Mühen nicht gescheut und bisweilen steigt man sich im Eifer des Gefechts auch ein bisschen auf die Zehen. Um eine legal zur Prostiution in Wien berechtigte Person (69 Punkte) aufzutreiben, suchte Team A ein einschlägiges Forum auf und verfasste dort einen entsprechenden Beitrag. Team B hatte kurz darauf denselben Einfall, verzichtete allerdings auf den Umweg eines Postings und setzte sich ohne Umschweife telefonisch mit dem Administrator der Website in Kontakt - welcher natürlich ob der ähnlichen Geschichte der Meinung war, mit einem Vertreter von Team A zu sprechen. Als dieses nun selbst einen Treffpunkt vereinbaren wollte und feststellen musste, dass ein solcher bereits existierte, stand Team B unter dem naheliegenden Verdacht, die virtuelle Vorarbeit der Konkurrenz bewusst zum eigenen Vorteil genutzt und damit den fair-play Gesetzen des hunTU zuwider gehandelt zu haben. Letztlich traf man sich zur selben Zeit am selben Ort mit derselben Person, klärte das Missverständnis auf und freute sich gemeinsam über 69 ehrlich erarbeitete Punkte.

ein vor einem Laptop sitzender Mann hält einen Pseudo Fahrschein in der Hand,welcher 30 mal abgestemplet wurde.

hunTU

Objekt Nr. 138, Ein Pseudofahrschein, jeweils einmal entwertet auf den Straßenbahnlinien D, O, 1, 2, 5, 6, 9, 10, 18, 26, 30, 31, 33, 37, 38, 40, 41, 42, 43, 44, 46, 49, 52, 58, 60, 62, 67 und 71. (50 Punkte)

Der hunTU ist keine offizielle Veranstaltung der TU Wien oder der Hochschülerschaft, sondern ein Freizeitprojekt, initiiert und organisiert von

Bernhard Bichler
Mihai Ghete
Emre Izgöl
Jens Kager
Marian Kogler
Martin Piskernig
Lena Reiser
Thomas Schranz
Paul Staroch
Alexander Tauner

allesamt StudentInnen der TU Wien.

Engagement

Überhaupt ist es faszinierend zu beobachten, mit welchem Engagement TeilnehmerInnen wie VeranstalterInnen an die Sache herangehen. Schließlich hat Mitorganisator Paul Staroch völlig Recht, wenn er meint, dass in den drei Tagen des huntTU für alle Beteiligten kaum andere Dinge existieren würden - für Prüfungs- und Nebenjob geplagte Studierende kein unbeträchtliches Opfer.
Und fragt man genauer nach, wieso man seine Freizeit verschwenden sollte, stundenlang mit Straßenbahnen ohne Ziel für ein paar Stempel durch Wien zu fahren, ein hochflexibles, webbasiertes Punktevergabesystem zu entwickeln, oder Nationalratsabgeordneten mit eigenartigen E-Mails auf den Geist zu gehen, so kommt immer wieder dieselbe, wunderschöne Antwort: aus Spaß an der Freude!

Ein Student steht mit einer Pelzmütze und Hammer und sichel  gekreuzt wie in kommunistischen Zeiten da

hunTU

Objekt Nr. 194, Hammer und Sichel (20 Punkte); Objekt Nr. 98, Eine Uschanka (30 Punkte)
Ein Greenscreen auf einem MacBook Pro.

hunTU

Objekt Nr. 143, Ein Foto von einem Teammitglied mit einem Windows-Computer, der statt einem Bluescreen einen Greenscreen ausgibt; der Greenscreen muss am Foto sichtbar sein. (15 Punkte)
Ein Playboy Heft aus den 60er Jahren.

hunTU

Objekt Nr. 81, Eine Erotikzeitschrift aus den 60ern. (60 Punkte)
Zwei Teilnehmer des hunTU tragen eine der Organisatoren auf einer selbstgebastelten Sänfte.

Radio FM4

Objekt Nr. 140, Eine Sänfte, die mitsamt einem Organisator von Teammitgliedern getragen wird. (50 Punkte)
Eine Frau hält das wappen des Teams "Jtzlschnagd" in die Luft

hunTU

Objekt Nr. 190, Ein vom Team entworfenes Wappen. Muss eine Referenz auf den Teamnamen enthalten. (25 Punkte)
Ein Gruppenfoto mit vier Damen und einem Herren. Durchwegs strahlende Gesichter und nach oben gestreckte Daumen.

Radio FM4

Das sehr internationale (Jus, Wirtschaft, Technische Physik, Lehramt und sogar Schule) Team Gschamster Diener, Herr Direktor weiß zu berichten: "Dabei sein ist alles, aber man steigert sich voll rein und dreht richtig durch. Es ist eine tolle Beschäftitungstherapie und man lernt Wien kennen!" Na dann...
Drei unentzifferbare Symbole

hunTU

Wer weiß, was das heißt kriegt einen Keks!

Nachtrag in eigener Sache

Wer sich der ewigen Dankbarkeit des Autors sowie des Teams der Schlawinas gewiss sein will und bei der Beschaffung

  • eines unterstützungswilligen Bundespolitikers
  • einer Überweisung in die Psychiatrie
  • eines Erotikmagazins aus den 60er Jahren
  • der Geburtsurkunden von sieben Geschwistern
  • von Plüsch-Handschellen
  • einer zur Prostiution in Wien berechtigten Person
  • von Eintrittskarten zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking

behilflich sein könnte, hätte noch bis Sonntag 17:00 Zeit und möge sich bitte per E-Mail melden. :)

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  • eulenmensch | vor 2951 Tagen, 18 Stunden, 54 Minuten

    .

    ach komm, die plüschhandschellen und die prostituierte können ja in wien eh leicht aufgetrieben werden. und die einweisung in die psychiatrie mit ein wenig aktiver nachhilfe auch ;-)

    Auf dieses Posting antworten
    • appetiteforconstruction | vor 2951 Tagen, 6 Stunden, 25 Minuten

      wobei ich mit der einweisung in die psychiatrie ein bisschen vorsichtig wäre - die ist aus sozialversicherungsdaten (e-card...) und allfälligen anderen (in)offiziell über menschen vorhandenen informationen wohl nur schwer zu tilgen.

      abgesehen davon ist da für mich auch eine geschmacksgrenze erreicht. denn eine einweisung in die psychiatrie ist normalerweise keine sehr lustige sache, sondern etwas, wo's dem betroffenen und seiner umgebung zumeist verdammt schlecht geht. mit einem spiel hat das jedenfalls nichts zu tun. und sollte deshalb auch nicht teil eines - ansonsten offenbar recht witzigen - spieles sein.

    • alabaster | vor 2950 Tagen, 4 Stunden, 24 Minuten

      blablabla zynischundmenschenverachtend blaballa diegrenzendersatire didelbums
      son Schmarrn, da fängt doch wahrer humor erst an!!

  • fragstex | vor 2952 Tagen, 11 Minuten

    wie soll das mit dem zucker im semmelknoedel funktionieren?

    Auf dieses Posting antworten
    • sirii | vor 2952 Tagen, 5 Minuten

      das ist das geheimnis..

      lass mich nur verraten: es funktioniert!

  • clairegrube | vor 2952 Tagen, 3 Stunden, 58 Minuten

    der Forumsfall hatte keinen Punkteverlust für irgendein Team zur Folge, das hat sich als Missverständnis herausgestellt.

    Auf dieses Posting antworten