Standort: fm4.ORF.at / Meldung: "Snowbombing 2009"

Arthur Einöder

POP: Partys, Obsessionen, Politik. Ich fürchte mich vor dem Weltuntergang, möchte aber zumindest daran beteiligt sein.

7. 4. 2009 - 11:29

Snowbombing 2009

Springbreak auf Britisch mitten im Zillertal.

...the nearby Tux Glacier: where you can [...] gaze fuhrer-like over three countries (Austria, Italy and Germany)...

Die PR-Texter wissen, wie man Österreich in England verkauft. Und der Betrachter schließt messerscharf: Es ist Snowbombingzeit und das Selbstmordtal (copyright ein der Redaktion namentlich bekannter, teilzeitgriesgrämiger Exiltiroler) Zillertal wird zur Partyhochburg.

vier Männer als Superhelden verkleidet essen Pommes und trinken Bier vor einer Schihütte.

radio fm4 / Heinz Reich

Snowbomber tanken gern Energie, Pommes und Sonne.

Was ist ein Snowbombing eigentlich?

Snowbombing: das erhält der Festivalalchemist, wenn er nicht ganz astreine Proben von Schulschikurs, Musikfestival, Springbreak und Massenmaturareise zusammenpantscht. Was in der Theorie noch einen durchaus bedrohlichen Beigeschmack hat (halbkomatöse Hooligans mit Jägermeisterverschlüssen auf der Nase, anyone?), gehört in der Praxis aber zu den besten Festivalerfahrungen, die man nur haben kann. Das hat mit der überaus intelligenten Begeisterung zu tun, mit der die englischen Middleclasskids die Herausforderung Snowbombing in Mayrhofen angehen. Und mit der wahrscheinlich einmaligen Kombination von Piste am Tag und Piste in der Nacht.

ein dj-pult auf einer bergspitze.

radio fm4 / Heinz Reich

Wird es dieser Text schaffen, ohne das Wortspiel "Bombenstimmung" auszukommen?

Rave On!

Der Schlussauftritt von 2 Many DJs am Freitag ist so eine Nacht, die du nie wieder vergisst. Der erste wunderschön warme Tag seit geschätzten sieben Monaten. Der frische Geruch von Schnee und Kälte liegt noch in der Luft - und du betrittst eine Waldlichtung, die in blauen und violetten Tönen fluoresziert. Die Bühne hat ein Tiroler Holzdach, die tausenden britischen FestivaltouristInnen haben ihre schönsten Ausgehuniformen und Verkleidungen an. Dann entern Stephen und David Dewaele die Bühne, legen mit ihrem Hey Boy, Hey Girl Remix los und dann fast zwei Stunden auf.

2 Many DJs knallen ein Set voller Superhits hin, das nicht ein einziges Break lang cheesy, prollig oder daneben daherkommt. Ein Pop-Set als Kunstwerk, ein britischer Rave im Tiroler Wald. Fatboy Slim, für den die beiden belgischen Soulwax-Mitbegründer last minute eingesprungen sind, weine ich keine Träne nach. Obwohl die sehr unbürokratische An- und Absagenpolitik beim Snowbombing durchaus seine Tücken hat. La Roux ist vom Line Up verschwunden, die Filthy Dukes haben ihren Auftritt kurzerhand von Dienstag auf Sonntag vorverlegt, dafür sind plötzlich die Noisettes aufgetaucht und haben dann vor zehn Menschen gespielt, weils keiner sonst gewusst hat.

drei Männer in kurzen Hosen auf der Schipiste.

radio fm4 / Heinz Reich

Die Fotos sind tagsüber auf der Piste entstanden. Wo die Partyfotos von den Clubs sind? Wenn jemand eine Idee hat, wie sich mein ramponierter Speicherchip wieder lesen lässt: bitte posten!!!

Mayrhofen ist super!

Den Snowbombern ist das naturgemäß eher egal. Schließlich haben die meisten von ihnen ein Komplettpaket gebucht, bestehend aus Anreise per Bus oder Bahn, Schipass für eine Woche, Unterkunft und Eintritt für alle Partys in den verschiedenen Locations. Die kleineren Artists treten für ein Taschengeld und gratis Schiurlaub auf, was auf den Pisten und in Mayrhofen zu interessanten Begegnungen führt. Skream vergisst seine Schuhe in der Gondel, Kissy Sell Out verletzt sich bei einem Hindernis im Snowpark, Cassette Jam scheitern am Zigarettenautomaten, der nur österreichische Bankomatkarten akzeptiert, Lindström schlendert mit seiner Frau zum Shoppen durch den Ort, Beardyman (Bester Live-Act! Ich schwöre! Der soll so schnell wie möglich wieder ins Land kommen!) sieht das FM4-Mikrofon und legt eine Freestyle-Beatboxing-Einlage hin.

Snowbombing ist ein exklusives Festival. Anreise und Unterkunft sind teuer, dafür ist man nah an den Artists dran und auch die Locations sind schnuckelig intim. Stell dir einmal eine kleine, holzvertäfelte Kneipe vor, in der große Namen wie DJ Zinc auflegen. Oder ein riesengroßes Iglu am Berggipfel, wo Bands spielen und sich die Discokugel dreht. Surreal ist nur ein Hilfsausdruck für diese Szenerie.

Wo sind die ÖsterreicherInnen?

Abgesehen von einigen locals (vermutlich Bürgermeisterstöchter), die man am andersfärbigen Festivalbändchen erkennt, sind die Briten hier unter sich. Snowbombing findet fast schon traditionell unter Ausschluss der österreichischen Öffentlichkeit statt. Schade eigentlich, denn die Engländer bringen regelmäßig Acts mit, die sonst nie oder selten nach Österreich kommen. (Mr. Hudson, Ladyhawke oder Dizzee Rascal haben etwa ihre Österreichpremiere gefeiert.)

Vielleicht liegts an den 100 Euro, die so eine Festivalwoche in den Zillertaler Alpen kostet. Vielleicht liegts aber auch daran, dass man zwar gern über Festivalmonopolisten und immer gleiche Lineups schimpft, aber erst recht nirgends hingeht, wo (zumindest am sogenannten österreichen Markt) kein Geld für Werbung ausgegeben wird.

ein mann als banane verkleidet auf schiern.

radio fm4 / Heinz Reich

Die Fotos hat alle Heinz Reich geschossen. Ich trau mich ja nicht so auf Berge.

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Forum

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  • keyserkeli | vor 3116 Tagen, 23 Stunden, 52 Minuten

    klingt extrem unsympathisch, das ganze!
    aber solange die rich kids ihr geld ins zillertal tragen...

    Auf dieses Posting antworten
  • os84 | vor 3117 Tagen, 2 Stunden, 9 Minuten

    "gaze fuhrer-like".. wann beginnen die engländer eigentlich den 2.weltkrieg aufzuarbeiten?

    Auf dieses Posting antworten
  • diewindldie | vor 3117 Tagen, 7 Stunden, 10 Minuten

    Yeahh!!

    dizzy rascal!!

    meine güte würd ich den gern wiedermal sehn!!!

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  • einfremder | vor 3117 Tagen, 19 Stunden, 58 Minuten

    peanut butter jelly time,
    peanut butter jelly time...

    Auf dieses Posting antworten
  • billyhunt | vor 3118 Tagen, 18 Stunden, 55 Minuten

    arg!

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  • shivaree | vor 3119 Tagen, 1 Stunde, 19 Minuten

    Beardyman bald wieder im lande - kommt zum springnine.

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  • screenshot33 | vor 3119 Tagen, 6 Stunden, 7 Minuten

    Ladyhawke hätt ich ja sehr gern erlebt

    Aber wenn ich verschneite Wintersportorte seh krieg ich Beklemmungen. Darum fand ich "In 3 Tagen bist du tot 2" schon beängstigend bevor diverse Gliedmaßen abgetrennt wurden ...
    Skifahren: Das große S im Traumaalphabet.

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    • christianfuchs | vor 3119 Tagen, 3 Stunden, 6 Minuten

      sehen tu ich's gern, die ortschafteln, ich riech auch die gute luft gern und richtiger schnee abseits von matschigen großstädten mag ich auch nicht ungern. nur in die nähe von pisten trau ich mich nicht.

  • gringo2000 | vor 3119 Tagen, 7 Stunden, 1 Minute

    PhotoRec

    http://www.cgsecurity.org/wiki/TestDisk_Download

    damit hab ich mal fotos von einer defekten festplatte recovered. ist kommandozeilenbasiert und dadurch nicht sehr benutzerfreundlich. funktioniert aber recht gut.

    vorausgesetzt die daten sind net wirklich pysikalisch weg. weil dann hilft nur labor und reinraum und so und das wird sich für bilder von bsoffenen englischen snowboardern nicht auszahlen.

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    • robertglashuettner | vor 3118 Tagen, 50 Minuten

      ohne kommandozeile

      "data doctor recovery removable media"

  • christianfuchs | vor 3119 Tagen, 7 Stunden, 45 Minuten

    sehr schöner bericht, herr arthur!

    ich trau mich dort ja nicht hin, weil schnee & berge (sieht herrlich aus, für einen nichtsportler aber dubios), dank dir bin ich aber grade ein bissi mit-geraved. schade wegen la roux-absage.

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  • mistersimpson | vor 3119 Tagen, 8 Stunden, 3 Minuten

    ich find 100 € für 1 woche schiurlaub jetzt aber alles andere als schlimm! :)

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    • moosesgarcia | vor 3119 Tagen, 5 Stunden, 15 Minuten

      Denk ich mir auch. Für 100 kann man mit seiner Familie vielleicht 2mal auf der Skihütte essen. So gesehen ein Schnäppchen...

    • einoeder | vor 3119 Tagen, 5 Stunden, 7 Minuten

      jössas. missverständnisalarm! 100 euro ist nur das bandl für die eintritte. unterkunft, schipass, anreise ist alles extra!

    • deroxvormneuentor | vor 3119 Tagen, 3 Stunden, 47 Minuten

      also für die leiwonddeejaydichte sind 100 eusen immer noch nicht viel.