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Martin Blumenau

Geschichten aus dem wirklichen Leben.

6. 3. 2009 - 19:03

Journal '09: 6.3.

Misik.

Ein paar Worte über Robert Misik, Österreichs besten Blogger, anlässlich seines Preises zur Kulturpublizistik. Franz Schuh und Anja Plaschg kommen auch vor.

Es war vor bereits einigen Tagen, als sein neues Buch Politik der Paranoia. Gegen die neuen Konservativen vorgestellt und diskutiert wurde. Dort argumentiert Misik, der Nachdenker mit dem doppelt gewobenen Ansatz, der Zuspitzer mit der Milde des ironischen Lächelns, die Ideologien von Neo-Liberalismus und Neo-Konservativismus (der Unterschied zwischen den beiden Handlungsrichtungen, den einige Befangene als weit empfinden, ist nämlich letztlich nur ein gradueller, man sollte diese outrierenden Wichtigtuer ebensowenig ernstnehmen wie die K-Gruppen-Clowns, die sich in Minimalismen unterscheiden und darob Leute umbringen) in Grund und Boden.

robert misik

blumenau

Und zwar schon weit bevor das wirklich jedem mit dem Wind pissenden Patzer leicht fiel, also vor der Börsen/Finanz- bzw. Wirtschafts-Krise des letzten Herbsts.
Die hat Misik in the making of this book erwischt, aber inhaltlich nicht behelligt - weil er es gewohnt ist, gegen den Wind zu spucken und gleichzeitig auszuweichen.

Das Buch

In jedem Fall kam bei dieser Diskussionsveranstaltung die Frage auf, was nach dem historischen Platzen des Neo-Lib/Neo-Con-Blase (was ihre ideologische Verkleidung betrifft, ihre simple Praxis wird womöglich ewig bestehen) an neuen Denk-Wegen möglich wäre. Und ein junger, sichtlich sozialdemokratisch bewegter Aktivist fragte den am Podium schaukelnden Robert Misik, wie denn dieser neue, dritte Weg, womöglich eine Art Neo-Sozialismus, in jedem Fall aber würde es wohl ein großer Wurf sein müssen, denn aussehen müsste. Da musste der eh schon dauergutaufgelegte Misik dann schon deutlicher in sich hineingrinsen.
Als ob es tatsächlich jemals so sein könnte, dass ein einzelner, noch dazu einer, der sich umfassend und analytisch Gedanken macht und die auch auszuformulieren und vorzubringen versteht (denn Gedanken machen sich viele, sie zu kommunzieren schaffen nur die wenigeren), eigenhändig eine Bewegung erfinden könnte.

Misik bei der Preisverleihungsrede.

blumenau

Es ist schon schwer genug akut Passierendes auf Gemeinsamkeiten abzuklopfen und diese dann eventuell richtig zueinanderzustellen - die Quasi-Forderung nach Führerschaft, was eine neue Menschheits-Philosophie betrifft, ist entsprechend hirnig.

Diese Zuschreibung war jedenfalls herzig und amüsierte Misik.

Die Debatte

Wohl auch, weil sie das freundliche Gesicht des unüberlegten Dauer-Vorwurfs ist, mit dem sich Menschen wie Robert Misik sonst immer konfrontiert sehen: dass er und seinesgleich nämlich was Handfestes anpacken sollten anstatt sich immer kritisch mit bereits Bestehendem auseinanderzusetzen.

Zumal dieser Vorwurf indirekt gerne besagt, dass man erst dann (und auch noch nur bei Funktionieren der These) den Äußerer als ernst und würdig in Betracht ziehen würde.

Das ist die mit großem, aber banalem Gestus ausgeführte aktive Selbstverstümmelung derer, die den Status Quo nicht angetastet sehen wollen, weil sie sich mit ihm (vor allem mit einer gesicherten Ordnung, die er ihnen suggeriert) identifizieren. Nichts erregt die Zufriedenen mehr als das Ankratzen des Gewohnten. Und niemand erregt sie in diesem Segment mehr als der in sich ruhende und ebenfalls zufrieden Wirkende. Wie Robert Misik.

Misik

blumenau

Natürlich kann Misik hitzköpfig argumentieren. Und zurecht kann er als freier Publizist die Prekarisierung eines (seines) Standes ansprechen. Trotzdem wird man bei ihm nie das Gefühl haben, dass es sowas eine Verbissenheit oder Verbohrtheit seines Denkens und Handels gibt. Dazu lächelt er zuviel, der Misik.

Der Preis

Tage später, genauer am Dienstag, als er den Österreichischen Staatspreis für Kulturpublizistik verliehen bekam, gab es keine Zuschreibungen dieser Art, auch weil Laudator Franz Schuh das letzte Misik-Buch noch nicht gelesen hatte. Das enthebt mich einer gewissen Bürde - ich denk mir seit Wochen ich könnte erst dann was über Misik äußern, wenn ich sein letztes Ding endlich gelesen hätte - aber so...

Schuh jedenfalls sprach von Kritik, Hyper-Kritik und Kirtikunfähigkeit, österreichischem Elend also, und war damit in seinem Element. Einmal brach er es, nämlich als er Misiks Video-Blog erwähnte. Ich wette Franz Schuh ist erst mit FSMisik mit der neuen Technologie der bewegten Bilder auf einem Computer-Bildschirm in Berührung gekommen - darin unterscheiden sich der Philosoph und der neue Teamchef wohl kaum. In der Wirkungs-Beurteilung ist Schuh dem Modernitätsverächter Constantini dann aber gleich wieder um Eckhäuser voraus. Dass diese Art der Kommunikation mit einem Rezipienten, der überall sein kann und von jedem Ort Zugriff haben möchte, Bedeutung hat, lockt Schuh dann ein zugeständiges Wort wie "vielfältig" heraus.

Schuh bei der Preisverleihungsrede.

blumenau

Und das ist mehr als von anderen digitalen Analphabeten zu erwarten ist. Die klammern sich meist an ihresgleichen, an müde Verweigerer der Zwischengeneration der 35-50jährigen, und deren verschrobene Äußerungen über eine analoge Welt, die letztlich nur noch in ihren Köpfen existiert.

Das Beispiel

Deshalb haben es Überdenrand-Seher wie Robert Misik an sich schwer. Auch weil da alte Patzer kommen und am neuen Zugang herummäkeln, vielleicht sogar die Tonunschärfe und die verwackelten Bilder des Videoblog bejammern, anstatt sich dem Reiz der in diesem Kontext so ungewohnten Wortreize auseinanderzusetzen.

Franz Schuh hats kapiert, auch wenn er sicher keine Ahnung hat, wie er denn Anja Plaschg einordnen soll.
Robert Misik hat Anja Plaschg alias Soap &Skin nicht nur kapiert, er kann seine von der hiesigen Mentalitätsgeschichte, dem Pop-Gestus, den Publikums-Zuschreibungen ausgehenden Gedanken so zuordnen, dass alle was davon haben.
Die Auskenner, die Hype-Raunzer, die Spex-Redakteure, die Falter/Gap-Cover-Gaffer, alle Bescheidwisser und eben auch Franz Schuh.

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  • softmachine | vor 3118 Tagen, 12 Stunden, 40 Minuten

    der von niemanden,nicht von b., nicht einmal von seinem laudator, gelesene nachplauderer und epigonaltheoretiker misik bekommt den staatspreis für publizistik. herrlich. ein stück von thomas bernhard.

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  • isron | vor 3122 Tagen, 1 Stunde, 27 Minuten

    Nur weil es (natürlich) sinnlos ist von einem einzelnen Menschen die Begründung einer Bewegung zu erwarten, heißt das doch noch lange nicht, dass dieser Mensch nicht mehr Einsichten in ein Thema haben mag und so zumindest einige Lösungsansätze aufweisen könnte.
    Mir ist natürlich klar, dass die Analyse von Strukturen noch lange nicht das Aufzeigen von Alternativen zu diesen bedeutet, aber im Kontext eben so einer Kritik muss doch zumindest ein Nachfragen nach neuen Wegen möglich sein. Darauf keine Antwort zu geben ist dann ja immer noch legitim. Strukturanalyse und Strukturerneuerung sind zwar zwei paar Schuh, aber eben sicherlich auch keine sich ausschließenden.

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  • sicklikejosef | vor 3122 Tagen, 7 Stunden, 14 Minuten

    Ich hab das Buch gelesen und

    Misik, der Schwätzer, glaubt ein Problem ausgemacht zu haben, das gar nicht existiert. Wir haben in Europa kein Problem mit Neoliberalismus oder Neocons, sondern mit Sozialdemokratien. Es sind überall sozialdemokratische Regierungen und Politiken gewesen, die Bankenwirtschaft und Finanzmärkte dereguliert haben und es sind sozialdemokratische Politiker, die all das realisieren, weil sie die Zustimmung von Gewerkschaften und Sozialstaatsbürokratien dafür besorgen.
    Misik geriert sich als aufrechter Kämpfer für das Gute, indem er eine amerikanische Entwicklung kritisiert, die es bei uns nicht gibt.
    Dass also Misik irgendwas begriffen haben soll, außer dass es seiner Reputation in der sozialdemokratischen Funkionärsclique nützt, wenn man auf die blöden Amis schimpft, ist heute das Gerücht vom Tag.

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    • toteraltermann | vor 3122 Tagen, 6 Stunden, 59 Minuten

      Dann sind Maggie Thatcher und der andere große Vorreiter des Infrastrukturabbaus Ronald Reagan also lupenreine Sozialdemokraten gewesen?

      Und die konservativen Regierungen (die gabs glaubich auch überall mal) haben die Privatisierung der Infrastruktur dann rückgängig gemacht?

    • sicklikejosef | vor 3122 Tagen, 6 Stunden, 47 Minuten

      Nein aber Blair, Schröder und Vranitzky

      haben den neokonservativen Trend zur Privatisierung und Deregulierung ohne nennenswerten Widerstand durch gebracht.
      Gegen Thatcher und Reagan gab es noch gesellschaftlichen Protest, gegen die sozialdemokratischen Kuschelmonster Blair udn Schröder hatten Jusos aller Art selten was zu sagen.

    • truhe | vor 3122 Tagen, 2 Stunden, 57 Minuten

      Blair, Schröder und in einem gewissen Maß auch Vranizky sind doch die schillernsten Beispiele für Neocon/lib in der Europäischen Ausführung, sie hatten nur ein anderes Etikett, man nannte das "die neue Mitte" und die hatte mit Sozialdemokratie herzlich wenig zu tun. Die Jusos hatten dagegen durchaus was zu sagen, man hat sie nur nicht gehört. Das dürfte der Schwätzer erkannt haben - denn dass es die amerikanischen Entwicklungen bei uns nicht gäbe und nie gegeben hat ist ausgemachter Blödsinn.

    • sicklikejosef | vor 3121 Tagen, 13 Stunden, 3 Minuten

      Warum man leugnen muss, dass sozialdemokratische Politiker

      halt sozialdemokratische Politiker sind und die Jusos niemals was gesagt haben, was ihren Karrieren hätte schaden könne, ist ein Problem sozialdemokratischer Parteigänger. Und deines offensichtlich.
      Die amerikanischen Entwicklungen gab es bei uns nicht, sondern wir hatten die europäische Version kapitalistischer Dynamiken, durchgesetzt und realisiert von sozialdemokratischen Regierungen.
      Wer sich das nicht eingestehen will, so wie Misik, will halt seine Karrieren und Freunderlwirtschaften in der SPÖ nicht gefährden.

    • rotifer | vor 3120 Tagen, 12 Stunden, 56 Minuten

      Na ja, so sehr ich Herrn Josef hier zustimme, was seine Kritik an der Sozialdemokratie anlangt, neu ist diese Kritik ja nicht gerade, genauer gesagt, sie ist ziemlich genau 91 Jahre alt.
      Ich kann mich jedenfalls an einen jungen, etwa 20jährigen Robert Misik erinnern, der damals innerhalb erwähnter SJ genau so argumentiert hat und - obwohl ich sein Buch nicht gelesen hab - nehm ich doch an, dass diese Einsichten in seine Thesen integriert sind. Aber die Erfüllungshilfe der Sozialdemokratie nimmt die Rechten natürlich nicht aus der Schuld, siehe etwa den Privatisierungsnachlass der Grasser-Ära,

    • rotifer | vor 3120 Tagen, 12 Stunden, 51 Minuten

      Na ja, so sehr ich Herrn Josef hier zustimme, was seine Kritik an der Sozialdemokratie anlangt, neu ist diese Kritik ja nicht gerade, genauer gesagt, sie ist im österreichischen Kontext ziemlich genau 91 Jahre alt.
      Ich kann mich jedenfalls an einen jungen, etwa 20jährigen Robert Misik erinnern, der damals innerhalb erwähnter SJ genau so argumentiert hat und - obwohl ich sein Buch nicht gelesen hab - nehm ich doch an, dass diese Einsichten in seine Thesen integriert sind. Aber die Erfüllungshilfe der Sozialdemokratie nimmt die Rechten natürlich nicht aus der Schuld, siehe etwa den Privatisierungsnachlass der Grasser-Ära,

    • sicklikejosef | vor 3120 Tagen, 11 Stunden, 37 Minuten

      Das Problem liegt nicht darin, dass die Rechten aus der...

      ...Schuld entlassen werden sollen

      sondern dass Misik als Journalist eines bürgerlich-liberalen Mediums die amerikanischen Neocons und/oder neoliberale amerikanische Tradition als etwas Äußeres begreift, das irgendeine angebliche sozialdemokratische Politik befallen hätte, wie eine Krankheit.
      Worum es aber geht ist, dass sozialdemokratische Politik seit 1990 als eigenständige Variante kapitalistischer Dynamik gesehen werden muss, die sich mitnichten in ihren Zielen und Objectives vom bösen "Neoliberalismus" unterscheidet. Sozialpolitik wie wir sie kennen ist das Relikt jener Zugeständnisse, die westliche Eliten im Angesicht kommunistischer Bedrohungen machen mussten, und für die sie Sozialdemokratien als Beschaffer von Mehrheiten unter Gewerkschaften benutzen konnten.
      Aber sozialdemokratische Politik ist keine Alternative zu Neoliberalismus, sondern eine Form, die sich ihre Durchsetzung teurer erkaufen muss.

  • alpiarts | vor 3122 Tagen, 7 Stunden, 16 Minuten

    I agree.

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  • pixacao | vor 3122 Tagen, 9 Stunden, 51 Minuten

    ok, ich hab das buch auch nicht gelesen. vielleicht weil ich im gegensatz zu blumenau finde, dass die von den usa ausgehende finanz-/wirtschaftskrise nicht erst seit vergangenem herbst am laufen ist (sondern schon ein jahr länger) und ich der (berechtigten) kritik am neokonservativismus mittlerweile auch schon etwas überdrüssig bin.

    wenn ich zwischen dem digitalen misik und dem analogen schuh wählen müsste: ich würde den schuh nehmen. schuh hat substanz, schuh baut seine thesen auf einem festen fundament; sch. kann (mich) überraschen, kann (mir) neue einblicke und erkenntnisse schenken.
    misik wirkt zwar sehr sympathisch, leider spiegelt sich in seinen forschen thesen aber auch etwas von seinem fahrigen gestus. sie lassen aufhorchen, aber gleich im nächsten moment stößt man auf ungenauigkeiten, widersprüche und man hat das gefühl, dass da (leider!) nicht alles bis ins detail durchdacht ist.

    es ist zweifelsohne nicht die aufgabe eines philosophierenden journalisten, alternative gesellschaftliche wege aufzuzeigen, aber mit einer polemik, die auf weltanschaulicher flexibilität/beliebigkeit basiert, hab ich so meine probleme ...
    diese zelebrierte postmoderne ideenfreiheit scheint mir mittlerweile etwas passee?

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    • blumenau | vor 3122 Tagen, 9 Stunden, 31 Minuten

      nicht vom fahrigen äußeren misiks auf inneres schließen. und: wo hast du das mit der beliebigkeit der weltanschauung denn her? verwechseltst du das gar mit der fähigkeit abstrakt mitdenken zu können?

    • pixacao | vor 3122 Tagen, 26 Minuten

      ich würde misik nie die fähigkeit abstrakt mitzudenken absprechen (oder ist das auf mich bezogen? ; )

      wenn jemand nach lust und laune polemisiert, aber anstelle alternativer lösungsansätze nur ein (verschämtes? überlegenes?) lächeln schenkt - getreu der schicken postmodernen übereinkunft: alle ideologien haben sich überlebt, nur die (ideologie der) ideologielosigkeit ist zukunftsträchtig - finde ich das etwas unbefriedigend. ich frage mich: wo ist der (ethische) kern, die weltanschauliche verankerung seines denkens ? es ist für mich (dem wohl die gabe der abstraktion fehlt) ein unsicheres fundament auf dem misik baut und folglich auch kein wunder, wenn seine thesen oft gehörig wackelig daherkommen ...
      aber wie gesagt, ich hab das buch nicht gelesen, ich kenn misik nur aus talk of town.

    • teilzeitjugendlicher | vor 3121 Tagen, 14 Stunden, 55 Minuten

      Pixacao,

      einen ganz guten Einblick in Misiks Denkgerüst würdest Du finden, wenn Du sein Buch liest. Und dann auch gleich noch folgendes Werk: Links!: Comeback eines Lebensgefühls von Christian Rickens.

      PS: Zusammengefasst ist Misiks weltanschauliche Verankerung links, aber eben im modernen, undogmatischen und wirklich humanistischen Sinne (siehe seine GRM-Vergangenheit etc.)
      Eben so eine Gesinnung ist in einem Staat, der kein Bürgertum, sondern nur ein faschistoides Untertanentum kennt, sehr selten, hat aber Zukunft.

      PSS: Pixacao, Blumenau und Herr Schuh, es wundert mich schon etwas, dass ihr drei bislang das Misik-Buch noch nicht gelesen habt's.

  • feminineandclean | vor 3122 Tagen, 11 Stunden,

    der dauervorwurf "was Handfestes anpacken sollen anstatt sich immer kritisch mit bereits Bestehendem auseinanderzusetzen."
    oh wie sehr ich ihn hasse.
    dabei wäre alleine das bleibenlassen eines (als negativ wirkend identifizierten) vorgehens handfest genug. kommt ein hoch verschuldeter mensch in die psychologische beratung, bei ihm wird alkoholismus festgestellt. soll man der beratungsstelle nun vorwerfen sie setzt sich immer nur mit bereits bestehendem auseinander weil sie mit der betroffenen person sofortmaßnahmen gegen das trinken erarbeitet? aus sicht des alkis ist es "das Ankratzen des Gewohnten". aber dieser mensch hat der neolibconswhateva klientel etwas voraus: er öffnet sich einem analytischen input.
    respekt und dank an alle ausformuliererinnen und kommunizierer

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    • holden | vor 3121 Tagen, 7 Stunden, 6 Minuten

      du schreibst ja bereits in deinem kommentar, dass in der beratung nach der analyse konkrete maßnahmen folgen. eine frage nach der idee zu einem neuen weltbild ist nichts anderes als eine frage nach interventionsmaßnahmen. ich finde, der vergleich hinkt.

    • feminineandclean | vor 3121 Tagen, 4 Stunden, 11 Minuten

      nicht wenn die maßnahme das bloße abstellen vorhandener gewohnter negativfaktoren ist (zb trinken). das hat überhaupt nichts neuen ideen zu tun (um etwa die verschuldung zu egalisieren). unter anderem auch daher das so gestellte beispiel. du hast sicherlich verstanden was ich meine.

    • feminineandclean | vor 3121 Tagen, 4 Stunden, 6 Minuten

      PS: ich weiß natürlich auch was du meinst, aber welcher großer interventionsmaßnahme bedarf es um etwas einfach abzustellen?

    • holden | vor 3120 Tagen, 5 Stunden, 22 Minuten

      ich verstehe "das bloße abstellen vorhandener gewohnheiten" als ziel, nicht als maßnahme. als intervention sehe ich methoden, die zur erfolgreichen überwindung klassifizierbarer schwierigkeiten in der umsetzung solcher ziele geeignet sind. diese maßnahmen werden in einer deutlichen mehrheit von praktisch orientierten denkern hervorgebracht.

      ein gutes beispiel dafür sind mikrokredite, die einen essenziellen impuls in richtung armutsbekämpfung darstellen.

      das größte problem des hauptberuflichen kritikers sehe in der fehlenden "infrastruktur", eigene ideen umsetzen zu können. dafür muss man nämlich am hebel sitzen und nicht bloß denjenigen an den hebeln auf die finger schauen.

      um aber ganzheitlich zu bleiben: ein guter kritiker kann helfen, augen zu öffnen.

      dennoch: gerade wer mit mit sarkasmus, ironie und überheblichkeit agiert muss sich diese vorwürfe gefallen lassen. er/sie hat ja alle möglichkeiten der welt, diese vorwürfe als irrelevant zu entkräften.

  • firefly3000 | vor 3122 Tagen, 11 Stunden, 57 Minuten

    bevor das hier alles...

    ...ins gar zu kitschig süßliche abgleitet:

    gestern eröffnungsrede von r.misik bei grundgesetz-konferenz von "die linke" (siehe blog)

    dazu ein einwurf:

    wieviele eröffnungsredner etwa einer front national-konferenz zu bürgerechtsthemen würden wohl mit einem preis für kulturpublizistik ausgezeichnet werden?

    so klug und sympathisch misik ja auch sein mag, den "doppelt gewobenen ansatz" praktiziert er vielleicht beim nachdenken - wenn er schreibt aber sicher nicht.
    da sind seine ansätze sehr eindimensional gestrickt und in fast unerträglichem ausmaß polemisch.

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    • blumenau | vor 3122 Tagen, 9 Stunden, 36 Minuten

      strunzdumme gleichsetzung einer protodemokratischen bewegung mit einer protofaschistischen -> argumentativ wertlos.

    • rriotrradio | vor 3122 Tagen, 8 Stunden, 32 Minuten

      du solltest erst einmal einen etwas längeren blick hinter die kulissen...

      ...dieser "protodemokratischen bewegung" werfen bevor du einen zwar polemischen aber dennoch berechtigten vergleich einfach nur als "strunzdumm" abtust.

      und ja...ich finde misik auch eindimensional...habe von ihm noch nie etwas überraschendes gelesen.

      ps: und mit seinem buch war er auch nicht wirklich früh dran...sorry...

    • blumenau | vor 3120 Tagen, 23 Stunden, 57 Minuten

      ich würde die linke auch nicht besuchen, keine frage. aber ich war auch nie marxist. die vergangenheit eines ihrer teile (nicht die wasg untern tisch fallen lassen) ist beschämend und widerlich. nichtsdestrotrotz ist sie eine klar demokratisch ausgerichtete bewegung.
      sie mit der front national, also einer partei, die die demokratie überkommen und durch anderes ersetzen will, einer faschistisch ausgerichteten bewegung zu vergeleichen, ist dreist und dumm.

      zum ps: keine angst, er hat sich mit diesem thema nicht das erstemal beschäftigt. und läßt sich richtigerweise von niemandem vorschreiben, wann er es dann wieder tut.

  • teilzeitjugendlicher | vor 3122 Tagen, 12 Stunden, 12 Minuten

    Genial, das Misik-Buch

    habe es geradezu "gefressen"

    Aber das mit den "digitalen Analphabeten", deren Unfähigkeit, aus ihrer analogen Welt auszubrechen Herr Blumenau ja nicht müde wird zu betonen (und er hat ja sicher auch nicht ganz Unrecht damit), das ist schon so eine Sache.

    Und sicher kein Lösungsansatz für eine Politik, die aus dem eben gescheiterten neokonservativen/neoliberalen menschenverachtenden Modellen ihre eigenen Schlüsse zieht und etwas neues, menschenfreundliches, gutes und schönes schafft.
    Für das Entstehen eines positiven und natürlich Neo-Linken Ideengebäude mag der sinnvolle Umgang mit dem Digitalen schon wichtig sein, noch mehr aber für die Verbreitung einer neuen Ideologie.

    Das Problem ist aber sicher nicht primär der digitale Analphabetismus. Das Problem ist die gefährliche Bösartigkeit der Rechten (nicht nur der Rechtsextremen, sondern auch der VP, da gibt es nunmal mittlerweile wirklich keinen Unterschied mehr), der völlige Rückzug aus dem politischen Gestalten der SP und das komplette Versagen der Grünen.

    Die Zeit des Neoliberalen ist vorbei, aber es könnte noch viel viel schlimmer kommen, und dann mag es durchaus wichtig sein, kein digitaler Analphabet zu sein, aber ohne gut durchdachte Inhalte kann auch ein digitaler Superchecker nicht wirklich was sagen...

    Im Misik-Buch wurde das Problem des digitalen Analphabetentums übrigens...

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    • teilzeitjugendlicher | vor 3122 Tagen, 12 Stunden, 11 Minuten

      Fortsetzung

      Im Misik-Buch wurde das Problem des digitalen Analphabetentums übrigens nicht angesprochen...das sollte dem Herrn Blumenau schon auch zu denken geben.

      Misik selbst schreibt viel analog, und quasi als Draufgabe wird dann so einiges davon auch digital veröffentlicht, that's it, not more. Aber das macht er ausgezeichnet...

    • blumenau | vor 3122 Tagen, 9 Stunden, 33 Minuten

      warum sollte in einem buch, das thematisch um ganz anderes kreist das angesprochen werden, was dir gerade anderes in den sinn kommt. eine geschichte, einem buch einem werk vborzuwerfen, es würde anderes als sein thema nicht behandeln ist genauso doof wie der in der geschichte erwähnte vorwurf

    • teilzeitjugendlicher | vor 3122 Tagen, 4 Stunden, 27 Minuten

      kannst Du mir das bitte genauer erläutern, stehe hier völlig auf der Leitung...

    • blumenau | vor 3120 Tagen, 23 Stunden, 55 Minuten

      warum sollte in einem buch, das thematisch um ganz anderes kreist, just das angesprochen werden, was dir gerade anderes in den sinn kommt?

      einer geschichte, einem buch einem werk vorzuwerfen, es würde anderes als sein eigentliches thema nicht behandeln - das ist genauso doof wie der in meiner geschichte erwähnte vorwurf.

    • teilzeitjugendlicher | vor 3120 Tagen, 15 Stunden, 48 Minuten

      danke, jetzt habe ich es kapiert!

      Ich habe ja nicht das Buch vom Misik kritisiert, sondern Deine in meinem Augen schwer übergewichtete Kritik am digitalen Analphabetismus, dessen Überwindung ohne mindestens gleichzeitigem Aufbau von echten Inhalten nicht wirklich viel bringt.

    • blumenau | vor 3120 Tagen, 5 Stunden, 5 Minuten

      warum muß man da eigentlich inhalte neu aufbauen? heiußt es, dass es keine gibt? oder differenzierst du zwischen analogen und digitalen inhalten? wenn wie: wie?

  • jackyjackson | vor 3123 Tagen, 17 Minuten

    "mit dem doppelt gewobenem Ansatz"
    ich habe bei dir schon öfter diese art von grammatikfehler bemerkt. man könnte langsam fast meinen du wüsstest es nicht besser!

    Auf dieses Posting antworten
    • oxymoron | vor 3122 Tagen, 22 Stunden, 36 Minuten

      versuchs mal mit nachhilfe - dort ist freude am korrigieren sinnvoll statt peinlich

    • confetti | vor 3122 Tagen, 22 Stunden, 27 Minuten

      "Franz Schuh hats kapiert"
      Beim Herrn T & C traut sich wohl keiner Korrekturlesen.

    • pixacao | vor 3122 Tagen, 11 Stunden,

      @oxymoron
      is nicht peinlich - mich reißt's immer noch, wenn blumenau solche böcke schießt.
      vielleicht führt das 'aufmerksammachen' ja zur besserung ...

    • blumenau | vor 3122 Tagen, 9 Stunden, 30 Minuten

      das kommt davon, wenn man im dritten durchlauf ein "dem" einfügt. bin untröstlich.

  • arnonymous | vor 3123 Tagen, 2 Stunden, 12 Minuten

    hmm

    man könnte meinen blumenau ist verliebt. selten so was positives hier gelesen. kinder, der frühling ist da!

    spaß beiseite, ja misik ist preiswürdig.

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